Die Piper PA34 Seneca Familie ist eine der erfolgreichsten zweimotorigen General Aviation Flugzeugfamilien aller Zeiten. Die erste Seneca wurde 1971 in Dienst gestellt, die hier dargestellte Seneca V erschien als bisher letztes Modell der Seneca Reihe im Jahre 1997. Vor allem weniger betuchte Geschäftsreiseflieger schätzten die hohe Sicherheit im IFR-Betrieb durch die gegenläufigen Propeller, die guten Flugleistungen (ca. 190 kts im Reiseflug, 25.000 Fuss Dienstgipfelhöhe, 1600km Reichweite) und die im Vergleich zu Flugzeugen mit Druckkabine oder gar Turbinenantrieb immer noch moderaten Betriebskosten. Mehr als 5.000 gebaute Flugzeuge zeugen von diesem großen Erfolg, auch wenn die Verkaufszahlen natürlich nicht mehr an ältere Flugzeuge wie Piper PA-23 Aztec, Beech Baron 58 oder Cessna 310 heranreichen konnten.
Die Carenado PA-34 Seneca für X-Plane11 ist eine komplette Neuentwicklung gegenüber der nur für XP10 erhältlichen "alten" Version PA34-200T von 2014, die eine deutlich ältere Seneca mit schwächeren Triebwerken, einfacherer Avionik und altem Interieur nachbildete.
Die hier umgesetzte Seneca V mit leistungsstarken Continental TSIO-360RB Turbo-Motoren mit je 220 PS ist eine Konversion der bereits im Herbst 2014 vorgestellten P3D Version und erschien im Mai 2017 zuerst noch für XP10.5, wurde dann später aber angeblich umfassend für XP11 angepasst.
Das visuelle Modell wurde wie üblich bei Carenado blendend umgesetzt und auch bei genauester Betrachtung der Details findet man keinen Grund zur Beschwerde. Wie immer wurde hier sowohl im 3D-Modell als auch in den Bitmaps mit höchster Präzision und Liebe zum kleinsten Detail gearbeitet.
Trotzdem kann ich das Modell für anspruchsvollere (Simulations-)Piloten nicht mehr empfehlen. Ich bin zwar noch nie eine Seneca selbst geflogen aber bereits ein paar Mal in einer Seneca II und Seneca IV auf dem Copiloten-Sitz mitgeflogen und die waren im Handling weniger agil und fühlten sich auch bei der Landung irgendwie anders an als diese Seneca V von Carenado, deren Flugverhalten sich für mich irgendwie synthetisch und sehr vereinfacht anfühlt. Anders als zum Beispiel bei der zwei Jahre später veröffentlichten Cessna 340, die sich deutlich mehr wie ein Flugzeug dieser Gewichtskategorie anfühlt und verhält. Die Seneca V fühlt sich immer etwas merkwürdig an und auch die Performance ist auffällig besser als im Original, was den Simulator-Piloten zwar erfreut aber leider wenig realistisch ist. Auch die Ausstattung läßt zu wünschen übrig, viele Systeme (Sauerstoff vor allem) wurden nicht umgesetzt und sind nur als Platzhalter im Cockpit vorhanden. Auch das Garmin 500 ist im Vergleich zum Original nicht nur deutlich abgespeckt in den Funktionen sondern auch noch oft unpräzise in der Darstellung, vor allem in hohen Range-Einstellungen ab 100 Meilen bei der das Flugzeug nach längeren Strecken manchmal mehrere Kilometer abseits des Kurses gezeigt wird.
Besonders nervig ist aber bei der Seneca, genau wie bei vielen anderen älteren Carenado Modellen auch, dass das linke Schnellauswahlmenü (C-O-A) nicht ausgeblendet werden kann und damit die Immersion doch mächtig stört.
Fazit:
Ein 1A 3D-Modell mit nahezu perfekten HiRes-Texturen und PBR-Effekten, eine unvollständige Umsetzung der im Original ja doch schon umfangreichen Systeme und Avionik, synthetisch anmutendes Flugmodell mit übertrieben guten Flugleistungen und die altbackenen Bedinungselemente der früheren Carenado-Generationen sind für mich in der Summe dann leider doch eine Enttäuschung.
Ich bin froh, dass ich mir die Seneca V vor einem Jahr im Sale zum halben Preis gekauft habe, ansonsten wäre die Enttäuschung noch größer. Trotz der tollen visuellen Umsetzung fliege ich die Seneca V nur selten und wenn dann nur wenige Flüge am Stück, das unbefriedigende Flugmodell und das störende C-O-A Bedienelement nerven mich dann doch zu sehr. Insgesamt gebe ich zwei Sterne mit Tendenz nach oben.
Hier kommen jetzt ohne bestimmte Reihenfolge 40 Screenshots mit der Seneca V, die hoffentlich die wichtigsten Aspekte gut abdecken...
Klassische Linien für eine Performance-2-Mot:
Aufgeräumtes Panel mit Garmin 500 inkl. Terraindarstellung und zwei GNS430
Klassisches Ärgernis bei Piper 2-Mots: die großen Triebwerksgondeln hängen ständig im Blickfeld, kein Ding im IFR-Flugbetrieb aber wenn man VFR was sehen will muss man schon steil kurven...
Riesen Eingangstür und Ladeluke... - die Seneca V mit statischen Elementen: